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Die Everglades
100 km südwestlich von Miami liegt der Everglades Nationalpark . Er ist das Herzstück eines einzigartigen Ökosystems mit einer Fläche von rund 5.000 Quadratkilometern, das auch auf der Liste des UNESCO-Weltnaturerbes steht. Einst erstreckte sich eine unermesslich weite Urlandschaft aus Wasser und Sümpfen zwischen den "Kissimmee Seen" und dem Golf von Mexiko. Ein Zehntel davon ist heute noch übrig geblieben. Die Everglades liegen an der südlichsten Spitze des US-Staates Florida.
Die Everglades sind ein undurchdringlicher Mangrovenwald, 80 Kilometer breit, aber nur wenige Zentimeter tief im Boden verwurzelt. Die Humusschicht der üppig grünen Landschaft ist sehr dünn. Archäologen haben aussergewöhnliche Funde gemacht, welche die Geschichte der Besiedlung durch verschiedene Indianerstämme zeigen. Jahrhundertelang war die unzugängliche Gegend für die verfolgten Ureinwohner Amerikas die letzte Zuflucht. Die Indianer lebten mit der Natur und nicht gegen sie.
Das Verhalten der Menschen änderte sich mit der Ankunft der Weissen: Historische Aufnahmen belegen die Besessenheit, mit der immer wieder versucht wurde, die Sumpflandschaft für Siedlungen, Strasssenbau oder als landwirtschaftliche Fläche nutzbar zu machen. Die Bemühungen hatten leider Erfolg. Zuerst waren die Everglades ein riesiges Versteck für illegale Schnapsbrenner, Drogenschmuggler und andere Gangster. Hier zeigen sich die USA auch heute noch von ihrer wildesten Seite.
Ende des 19. Jahrhundert legten Land- und Immobilienspekulanten grosse Flächen des vermeintlich wertlosen Sumpfgebietes trocken. Sie liessen eigens dafür den exotischen Melaleucabaum aus Australien einführen, der vier Mal so viel Wasser brauchte wie die heimischen Bäume und sich seuchenartig ausbreitete. Viele Millionen Quadratmeter Feuchtgebiet wurden trockengelegt, Gemüse- und Zuckerrohrfarmen angelegt und Phosphor und Pestizide gelangten ins Grundwasser.
Der komplizierte und vollkommen einmalige Wasserkreislauf der Everglades wurde jäh unterbrochen. Nur etwa fünf Meter Höhenunterschied sind es von den Kissimmeeseen in Südflorida bis zum 500 Kilometer entfernten Golf von Mexiko. 30 Meter legt das Wasser pro Tag zurück und braucht damit 40 Jahre, bis es das Meer erreicht hat. Heute ist klar, dass nur gezielte Gegenmassnahmen das Sterben dieser einzigartigen Wasserlandschaft verhindern können. Ein ehrgeiziges Renaturierungsprojekt wurde gestartet. Es ist auf 25 Jahre angelegt und soll zehn Milliarden Dollar kosten.
Berühmt für ihre reiche Vogelwelt, sind die Everglades die Heimat einer Vielzahl von Tieren, die sich den extremen klimatischen Bedingungen hier - von extremer Dürre während der Trockenzeit bis hin zu üppiger Schwemme des Feuchtbiotops während der Regenzeit - angepasst haben.
Ein Tier allerdings nimmt eine Sonderstellung ein - das nämlich, das ohne natürliche Feinde (den Menschen ausgenommen) am oberen Ende der Nahrungskette steht: der Alligator. Er profitiert sowohl von der Regenzeit, wenn es allerorten grünt und blüht und in üppiger Vegetation überall Tiere als potenzielle Beute zur Verfügung stehen, als auch von der Trockenzeit, wenn ein grosses Sterben beginnt unter denen, die ohne Wasser nicht sein können.

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